
Wenn die Milch in den Kupferkessel fließt, zeichnet der Senn ein schlichtes Zeichen an den Rand, prüft Temperatur mit Erfahrung und hört auf das kaum hörbare Knistern. Jeder Laib erhält ein Datum, eine Geschichte und oft einen Namen, der an die Wiese erinnert, die Sonne, die Stunde und die Hände.

Bei dräuenden Wolken läuten Glocken langsam und tief; ältere Dorfbewohner lesen Windfahnen wie Zeilen. Mancherorts ziehen kleine Bittprozessionen zur Wetterkapelle. Nicht Aberglaube, sondern gelebte Verantwortung: Wege schließen, Tiere sichern, Feuerstellen löschen, und später gemeinsam danken, wenn Gewitter am Grat vorbeiziehen und Täler geschützt bleiben.

Abends antworten Jodler von Hang zu Hang, und eine Ziehharmonika hält den Takt. Tanzböden knarren, Bergschuhe stampfen, Geschichten springen funkelnd über Tische. So entsteht Verbundenheit, die über Saisonarbeit hinausreicht und Gäste einlädt zuzuhören, mitzuschwingen, respektvoll mitzufühlen, mitzusingen und im nächsten Jahr wiederzukehren.
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